Buchtipp: Rettet den Boden

Florian Schwinn, vielen als Moderator der Radiosendung “HR 2-Der Tag” bekannt, hat am 8. Februar die Bodentagung in Ingelheim moderiert. An diesem Tag konnte unsere Stiftung zusammen mit der Klimainitiative Ingelheim vorstellen, wie Rheinhessen beim Klimaschutz vorangeht und eine regenerative Landwirtschaft  mit dauerhaftem Humusaufbau umsetzt. Wir freuen uns sehr, mit Florian Schwinn einen ausgewiesenen Fachmann in Sachen Umwelt und Landwirtschaft bei uns zu haben. Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehlen wir sein neues Buch, das wir  hier vorstellen.

Am Rande der Bodentagung konnten wir mit Florian Schwinn über sein Buch sprechen, das kurze Video stellen wir am Ende der Buchbesprechung vor.

Buchtipp: Rettet den Boden

„Wer den Boden nicht ehrt, ist die Zukunft nicht wert“, mit diesem abgewandelten Sprichwort bringt Florian Schwinn das ganze Dilemma auf den Punkt. Wider besseres Wissen zerstören wir Menschen das Element, von den unser aller Zukunft voll und ganz abhängt, den Boden unter unseren Füßen.

Der Autor bleibt nicht beim Klagen über den Zustand des Bodens, er erklärt detailliert, was es mit Bodenchemie und Bodenbiologie auf sich hat, reichert alles mit Beispielen an und macht es für jedermann gut verständlich. So beschreibt er, wie das Leben  schrittweise zurückkehrt, nachdem die gigantischen Bagger des Lausitzer Braunkohletagebaus nur Verwüstung hinterlassen haben. Wir lernen kleine und kleinste Bodentiere kennen und schätzen, Maulwurfsgrille, Hornmilbe, Bärtierchen und natürlich das charismatische Zeigertier des Bodenlebens, „lubricus terrestris“, der Tauwurm. Und erfahren, wie sie Hand in Hand abgestorbene Pflanzen und Tiere zersetzen und umwandeln, Moder, Mull und Humus, so heißen die Orte, in denen sie leben.

Bio allein ist auch keine Lösung, vor allem, wenn es aus Treibhäusern vom Ende der Welt kommt. Der Autor verlangt seinen Lesern in diesem Buch ab, über die scheinbar einfachen Lösungen hinaus zu gehen und die ganz Komplexität einer regenerativen Landwirtschaft zu begreifen. Denn genau vor dieser Herausforderung steht jeder Landwirt, der sich ernsthaft mit Veränderung beschäftigt. In einer Welt, die ganz industrieller Maximierungslogik folgt, ist jeder Schritt zur regenerativen Landwirtschaft riskant und ohne Garantie auf (wirtschaftlichen) Erfolg. „Bauern-Bashing“ gilt nicht.

Der Blick des Autors auf die heutige Praxis ist schonungslos und umfassend. Aus lockerem Mutterboden wird eine steinharte Masse, wenn ein Rübenvollernter mit bis zu 70 Tonnen Gewicht darüber rollt. Was an Leben bleibt, wird mit Glyphosat totgespritzt und im Winter auf blanken Äckern ausgehungert. Die Krume verliert ihre Bindungskräfte und ist der Erosion durch Wind und Wasser schutzlos ausgeliefert. Was allein überlebt, sind Superweeds, also die Unkräuter, die eigentlich vernichtet werden sollten. Belohnt wird dies durch eine EU-Agrarpolitik, die vor allem die Fläche subventioniert, egal, was darauf passiert. Das Ergebnis sind Monokulturwüsten, Land Crabbing durch Investoren und industrielle Großbetriebe, die auch in Deutschland 10.000 Hektar und mehr umfassen können.

Alles in allem der Lesestoff, aus dem schlaflose Nächte gemacht sind. Wenn, ja wenn das Buch nicht auch viele Höfe, Initiativen und Menschen vorstellen würde, die an einer regenerativen Landwirtschaft arbeiten, von der alle satt werden. Florian Schwinn arbeitet seit Jahren an Themen der Umwelt und der Landwirtschaft, er recherchiert, reist und beobachtet. In seinem Buch stellt er vieles von dem vor, was er dabei entdeckt und als Lösungsansätze für eine enkeltaugliche Landwirtschaft identifiziert hat. Pflugloses Arbeiten, Fruchtfolgen, das Zusammenspiel von Hoftieren und Nutzpflanzen, Agroforst, Hecken und Knicks, mehrjähriges Getreide und Mulchtechnik. Kleine, rentable Betriebe, freie Bauern mit direktem Kundenkontakt. Keine heile Welt, sondern konkrete Schritte heraus aus der Agrarfalle, in die wir alle gemeinsam wider besseres Wissen getappt sind.

Buchtipp:
Rettet den Boden
Warum wir um das Leben unter unseren Füßen kämpfen müssen
Florian Schwinn
Westend Verlag, Frankfurt 2019,
276 Seiten gebunden zum Preis von 24,00 €
ISBN 978-3-86489-242-4